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Wie sich der Nahverkehr bei Fahrpersonalmangel aufrechterhalten lässt

  •   4 min read

Vielerorts zwingt ein Mangel an Fahrpersonal die Verkehrsbetriebe dazu, ihre Ressourcen kreativer einzusetzen. Erfahren Sie, wo der Übergang von fixen Fahrplänen hin zu bedarfsorientierten Angeboten bzw. eine Kombination aus beiden Optionen eine effiziente Lösung für Verkehrsbetriebe darstellen kann.

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Der Personal- und Fachkräftemangel im ÖPNV steigt in Deutschland zunehmend – das zeigt die VDV-Branchenumfrage 2021. Bereits heute bringt der Fahrpersonalmangel – nicht zuletzt befeuert durch die Corona-Pandemie –  Verkehrsbetriebe in Bedrängnis dabei ihr Angebot aufrechtzuerhalten. Für die Mobilitätswende und das Erreichen der Klimaziele im Verkeher prognostiziert der VDV bis 2030 einen Personalbedarf von 110.000 neuen Mitarbeiter:innen im ÖPNV. Hinzu kommen rund 40.000 Stellen im Fahrbetrieb, die aufgrund des demografischen Wandels neu zu besetzen sind.

Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig es ist, die limitierten verfügbaren Ressourcen möglichst effizient einzusetzen. Verkehrsbetriebe weltweit zeigen nun, dass die Reduktion des klassischen Linienangebotes nicht die einzige Lösung im Umgang mit Fahrpersonalmangel ist. 

On-Demand ÖPNV erweist sich in vielen Fällen für Verkehrsbetriebe als effiziente Ergänzung, um mit bestehenden Kapazitäten ein attraktiveres Mobilitätsangebot aufzubauen. Bedarfsorientierte Angebote können auch für die Fahrer:innen komfortabler sein, was den Verkehrsbetrieben die Bindung ihrer so dringend benötigten Mitarbeitenden erleichtert.

Ontario: weniger ist mehr

Der kanadische Verkehrsbetrieb North Bay Transit (NBT) in Ontario hatte das gleiche Problem wie viele andere kleine Verkehrsbetriebe: Die Nutzung der liniengebundenen Busse ging zurück, besonders abends und an den Wochenenden. Der Anbieter betrieb sechs Busse, die jeweils nur eine Handvoll Fahrgäste transportierten. Diese wiederum gelangten wegen der fixen Linienführung und geringer Fahrplantaktung nie zu genau der richtigen Zeit an den richtigen Ort. Daher beschloss man bei NBT, die ÖPNV-Abdeckung während Zeiten geringer Nachfrage mit einem bedarfsorientierten Angebot auszubauen, ohne wertvolle Ressourcen (Fahrzeuge und Fahrerzeit) zu verschwenden.

Im letzten Januar setzte NBT diesen Plan in die Tat um: myRide NBT kombiniert liniengebundene und bedarfsorientierte Angebote, wobei in einer Zone drei Busse je nach Bedarf und in einer anderen Zone zwei Busse nach einem festen Fahrplan verkehren. Sobald ein Fahrgast eine Fahrt anfragt, zeigt der Algorithmus von Via entweder eine fixe Buslinie, ein bedarfsorientiertes Angebot oder einen Vorschlag für die intermodale Beförderung mit klaren Anweisungen für den einfachen Umstieg an. Mit dem bedarfsorientierten Angebot konnte NBT einen Bus vollständig einsparen, die zurückgelegten Fahrzeug-km um 18 % reduzieren und die Wartezeiten von 60 auf 16 Minuten verringern. Mit der aktuellen Fahrgaststeigerung passt NBT jetzt das Angebot an und setzt die Flotte flexibel ein, um mit den gleichen Ressourcen ein größeres Gebiet zu bedienen.

Mehr Fahrgäste bei weniger Fahrzeugen

In der englischen Kleinstadt Sevenoaks im Süden von London sind die Verkehrsunternehmen sogar noch einen Schritt weiter gegangen, mit erfolgreichem Ergebnis: 

In Sevenoaks gingen die Fahrgastzahlen mit Beginn der Corona-Pandemie um 90 % zurück. Vor diesem dramatischen Einbruch hatte das lokale Verkehrsunternehmen Go-Coach bereits die Einführung eines bedarfsorientierten ÖPNV-Angebots geplant, das die fixen Buslinien ergänzen und die letzte bzw. erste Meile zwischen Haustür und Haltestelle bedienen sollte. Doch mit der plötzlichen weltweiten Pandemie mussten sofort Kosten eingespart werden. Das Unternehmen wollte aber die Fahrgäste nicht im Stich lassen. Statt also die On-Demand ÖPNV Einführung zu verschieben, wagte man die Flucht nach vorn: Pläne für den Einsatz von Vans wurden verworfen. Stattdessen startete eine Partnerschaft mit Via für ein bedarfsorientiertes Angebot mit den vorhandenen großen Bussen.

„Früher musste ich mit Zug und Bus zur Arbeit fahren. Jetzt ist mein Arbeitsweg viel einfacher, denn ich muss nur die eine Fahrt mit Go2 buchen.“

– Maxine Fuller, Fahrgast von Go2

Innerhalb von nur zwei Wochen ersetzte Go-Coach alle fixen Linien durch ein kostengünstigeres, bedarfsorientiertes Angebot, das an sechs Wochentagen verfügbar ist: Go2. Mit dem neuen Angebot Go2 verringerte sich die Zahl der eingesetzten Busse auf fast die Hälfte. Die Fahrerstunden gingen um 62 % zurück. Gleichzeitig ließen sich durch das attraktivere und effizientere Angebot Fahrgäste zurückgewinnen und die Fahrgastanzahl wieder mehr als verdoppeln. Denn statt des ursprünglichen 1-Stunden-Taktes liegt nun die durchschnittliche Wartezeit bei gerade einmal 11 Minuten. Außerdem sind für viele Fahrten keine Umstiege mehr notwendig, sondern es können Direktverbindungen angeboten werden.

Die Zufriedenheit der Fahrer:innen als oberste Priorität

Die Fahrer:innen sind das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs. Ein attraktives Arbeitsumfeld ist daher nicht nur Mittel zum Zweck, um Personal zu finden und zu halten, sondern dient auch als Anerkennung für die systemrelevante Arbeit, die diese Menschen bereits vor und während der Pandemie geleistet haben.

Ein entscheidender Faktor, der Fahrer:innen oder Interessenten und Interessentinnen von diesem Beruf abschrecken könnte, ist die Sorge vor einer Ansteckung mit Corona. Zwar können wir dieses Problem nicht vollständig aus der Welt schaffen, aber Vias Technologie unterstützt ein sichereres Arbeitsumfeld für das Fahrpersonal. Zum Beispiel können Fahrer:innen und Fahrgäste aufgefordert werden, direkt in einer App bei einem Gesundheitscheck zu bestätigen, dass sie keine Symptome haben und geimpft oder getestet sind. Außerdem verringert die Zahlungsmöglichkeit direkt in einer App die Nutzung von Bargeld und die Technologie kann zusätzlich bei der Nachverfolgung von Kontakten unterstützen.

Zusätzlich bietet der On-Demand ÖPNV im Vergleich zum traditionellen Linienverkehrweitere Vorteile für das Fahrpersonal: So verbringen die Busse dank einer intelligenteren Streckenführung weniger Zeit im Stau, und das Fahrpersonal muss sich keine Sorgen machen, ob der nächste Halt pünktlich erreicht wird. Doch nicht nur das: Die dynamische Routenplanung und die Technologie zur Bündelung der Fahrgäste haben zur Folge, dass weniger Betriebsfahrten mit leeren Fahrzeugen nötig sind.

Und jeden Tag die gleiche Strecke abzufahren, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf der Fahrgäste, ist nicht nur ineffizient – es ist auch schlicht und einfach langweilig. Bei einem bedarfsorientierten Angebot dagegen erwarten das Fahrpersonal jeden Tag neue und abwechslungsreiche Strecken.  

Nutzungsmuster im Wandel

Ein bedarfsorientierter, geteilter Nahverkehr kann in vielen Fällen dabei unterstützen, das ÖPNV-Angebot auch im Kontext von Fahrgastschwankungen, Fahrpersonalmangel und Mittelknappheit beizubehalten oder sogar auszubauen. Technologiebasierte, bedarfsorientierte Netzwerke verwenden direkt vor Ort erhobene Echtzeit-Daten für Planung, Streckenführung und Fahrzeugzuordnung, was den Ablauf für Fahrgäste und Fahrpersonal einfach macht.
Seit der Corona-Pandemie ist der Alltag unvorhersehbar geworden, doch die intelligente Technologie von Via hilft,  auf den laufenden Wandel der neuen Normalität schneller zu reagieren. Deshalb entscheiden sich immer mehr Verkehrsbetriebe und Städte für diese Lösung.

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